Freitag, 5. Juli 2019

{Rezension} Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer

Titel: Gut gegen Nordwind
Autor: Daniel Glattauer
Verlag: Goldmann
Erschienen: 2006
Seitenzahl: 223
Reihe: #1 Gut gegen Nordwind
          #2 Alle sieben Wellen















                                       Inhalt                              

Emmi Rothner möchte per E-Mail ihr Abo der Zeitschrift „Like“ kündigen, doch durch einen Tippfehler landen ihre Nachrichten bei Leo Leike. Als Emmi wieder und wieder E-Mails an die falsche Adresse schickt, klärt Leo sie über den Fehler auf. Es beginnt ein außergewöhnlicher Briefwechsel, wie man ihn nur mit einem Unbekannten führen kann. Auf einem schmalen Grat zwischen totaler Fremdheit und unverbindlicher Intimität kommen sich die beiden immer näher – bis sie sich der unausweichlichen Frage stellen müssen: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?
Quelle: Homepage Goldmann Verlag





                                     Meine Meinung                                      

Emmi und Leos E-Mail-Kontakt beginnt ganz unspektakulär aus einer versehentlich verschickten E-Mail. Nachdem Leo das Missverständnis geklärt hat, landet Weihnachten plötzlich ein liebloser und schlichter Weihnachtsgruß in Leos Postfach. Darauf weist er Emmi hin und schon sind die beiden mitten in einer humorvollen Korrespondenz gelandet. Ohne viel über das alltägliche Privatleben des anderen zu erfahren, kommen sich die zwei Protagonisten näher und beginnen einen intensiven Mail-Austausch.


Normalerweise mag ich keine E-Mail-Romane, denn ich möchte die Protagonisten direkt bei dem Geschehen begleiten und unmittelbar ihre Gefühle erfahren. Da sich die beiden Protagonisten aber hauptsächlich wirklich nur über E-Mails kommunizieren und vieles angesprochen haben, erfährt man als Leser alles. Und die wenigen Augenblicke, die außerhalb des Internets geschehen, werden danach intensiv schriftlich besprochen.


Die zwei Protagonisten nehmen dabei kein Blatt vor dem Mund, können sich somit anonym alles mitteilen. Aber die beiden teilen dabei auch aus – und das meiner Meinung nach schon bevor die Beziehung so eng wird, dass man sich auch gegenseitig kritisieren könnte. Insbesondere Emmi empfand ich oft sehr unverschämt. Auch ihre Toleranz lässt zu wünschen übrig (veräppeln einer Veganerin). Sie ist arrogant und empathielos, weshalb sie Leo vieles vorwirft. Aber selbst einstecken kann sie nicht. Die Kommunikation der beiden wechselt zwischen humorvollen Begebenheiten und dem schmalen Grad von freundschaftlichem Rat und heftigen Streitgesprächen.



Und, das ist Ihre Leistung, liebe Leo, deshalb sind Sie für mich so unverzichtbar geworden: Sie nehmen mich so, wie ich bin. Manchmal bremsen Sie mich, gewisse Dinge ignorieren Sie, manches kommt Ihnen in die falsche Kehle. Aber Ihre Ausdauer, an mir dranzubleiben, zeigt mir, dass ich so sein darf, wie ich bin.
S. 98

So geht es das ganze Buch weiter, wodurch die Mails stellenweise oft langweilig und die Gesprächsthemen langwierig über einen langen Schlagabtausch mehrere Tage umfassen. Dem Ende hin passiert noch etwas aufregendes, was jedoch rückwirkend den Anschein bei mir erweckt, dass beide Protagonisten, hauptsächlich Emmi, sich in ihren Mails fernab des Alltags oft verstellt haben. Emmi war mir wegen ihrer vorlauten und rigorosen Art das ganze Buch über schon unsympathisch. Und am Ende stellt sich auch die Frage nach dem längst überfälligen Treffen, denn die beiden haben sich ineinander verliebt. Moment, haben sie? Meiner Ansicht nach war die Beziehung eher dadurch interessant, weil die beiden sich bisher noch nie getroffen haben und das geheimnisvolle Unbekannte immer spannend ist. Ansonsten waren Emmi und Leo besitzergreifend, da sie eine vertrauensvolle, enge Basis fernab von Alltag oder Verpflichtungen geschaffen haben, die es zu schützen gilt. Die sexuelle Anziehungskraft kann ich aber nicht leugnen. Das schlussendliche Geschehen der letzten Seiten war für mich aber wieder unverständlich und zu wenig abgeschlossen (trotz Fortsetzung).



                                         Fazit                                          



Der E-Mail-Roman über Emmi und Leo umfasst eher mehr Charakteranalysen und Angriffe auf die Person am anderen Ende des anonymen Internets. Von Liebe ist nicht viel zu spüren, eher von besitzergreifender besten Freundschaft und sexueller Anziehung. Die Geschichte hat sehr humorvolle und erheiternde Stellen. Die E-Mails an sich sind gut gemacht und enthalten die Gefühle der Protagonisten, jedoch hatte ich am Ende den Eindruck, sie hätten sich oft verstellt.



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