Mittwoch, 29. Mai 2013

[Rezi] Bitterzart von Gabrielle Zevin

                                    Inhalt                                    

New York 2083: Wasser und Papier sind knapp, Kaffee und Schokolade sind illegal.
Die Balanchine-Familie ist das Zentrum des illegalen Schokoladenhandels in New York. Doch die Eltern sind tot, und Anya ist mit 16 Jahren das Familienoberhaupt. Sie kümmert sich um ihre Geschwister und die kranke Großmutter. Aber dem Familiengeschäft kann sie sich nicht entziehen. Ebenso wenig wie ihre große Liebe Win - ausgerechnet der Sohn des schlimmsten Feindes der Balanchines.

Ein Mädchen zwischen High School und Verbrechen, zwischen Liebe und Verantwortung.






                                                    Charaktere                                                   
 
Anyeschka/Anya ist 16 Jahre alt und schon sehr selbständig und selbstbewusst für ihr Alter. Trotz des illegalen Familiengeschäftes ist Anya eine strenge Katholikin und möchte „ein gutes Mädchen“ sein, da sie es ihrem Vater versprochen hat. Anya möchte unter keinen Umständen negativ auffallen, sodass sich der Staat sorgen um ihren Vormund machen könnte. Trotzdem sind die Umstände und ihr Verhalten manchmal doch auffallend. Oftmals ist sie aber auch mit der Situation überfordert, auch wenn sie es selbst nie zugeben würde. Anya ist ein sehr sympathischer Charakter, nur finde ich es schade, dass sie in ihrem Urteil anderen gegenüber sehr hart und voreingenommen ist, obwohl sie es selbst bei sich selbst und ihren Geschwistern nicht will und weiß, dass Vorurteile ein falsches Bild vermitteln können.
Weil ihre Großmutter Nana bettlägerig und immer öfter geistig verwirrt ist, kümmert sich Anya um ihre beiden Geschwister.
Ihr älterer Bruder Leo war dabei als deren Mutter getötet wurde und hat dadurch einen Schock erlitten, der sich noch heute auf sein Verhalten auswirkt.
Natty ist Anyas 12-jährige Schwester, die für ihr Alter schon sehr reif ist und oft ihre
Meinung rundheraus preisgibt.
Mr. Kipling ist der Anwalt der Familie, der vor allem Anya immer zur Seite steht und unterstützt – nicht nur in rechtlichen Angelegenheiten.
Win, der Sohn des Oberstaatsanwaltes, ist Anyas große Liebe. Win hat aufrichtige Gefühle für Anya und lässt sich durch deren Verwandtschaft und Probleme nicht verunsichern. In manchen Situationen jedoch verhält er sich, als sei er nur mit Anya zusammen um seinen Vater zu ärgern. Insgesamt ist sein Charakter nicht sehr vielseitig aufgebaut und wirkt oftmals etwas langweilig.
Weiterhin tauchen in der Geschichte noch Anyas beste Freundin Scarlet und ihr Ex-Freund Gale auf, sowie einig Verwandte und Freunde der Balanchine-Familie.




 
 
                                                Meine Meinung                                               

Die Gestaltung des Buches ist ganz anders als bei „normalen“ Büchern, die man täglich in der Hand hält. Während bei den meisten Büchern die Kapitel durch arabische oder auch römische Zahlen gekennzeichnet sind, wurde hier noch ein kurzer Satz bzw. eine kurze Bemerkung von Anya hinzugefügt. Dadurch wurde das Kapitel zusammengefasst und die Spannung, was dieser Satz zu bedeuten hat, steigt an. Trotzdem hat mir oftmals der rote Faden gefehlt, der den Leser durch die Geschichte begleitet und den Weg weist.
Rückblickend würde ich sagen, dass das Buch um Anyas Privatleben handelt, dass durch ihre Familiensituation, ihre Verwandten, das Familiengeschäft (illegaler Handel mit Schokolade) und ihrer großen Liebe beeinflusst wird und der Leser wird zu dem Zeitpunkt in das Geschehen geworfen, als sich vieles in Anyas leben ändert. Diese Information vorher zu wissen hätte mir geholfen, da ich einige Male genervt über dem Buch saß und mich fragte, was darin eigentlich geschieht und was die Autorin einem erzählen möchte. Trotzdem konnte Frau Zevin zum Schluss alle noch so unterschiedlichen Fäden von Geschehnissen zu einem Punkt zusammenführen und diese miteinander verknüpfen und abschließen.
 
Weiterhin konnte ich mir die Charaktere der drei Geschwister und ihr derzeitiges Leben nicht richtig vorstellen, weil ich durch die Erwähnung ihrer Eltern/Erinnerungen an ihre Eltern verwirrt war, in wie fern diese die drei Geschwister beeinflusst haben. Auf der einen Seite ist da der Chef des größten illegalen Schokoladenimperiums in Amerika und auf der anderen ist dort die Tatortermittlerin des NYPD. Viel mehr als die Liebesgeschichte zwischen einem Mädchen, dass mit dem illegalen Handel ihrer Verwandten nur geringfügig zu tun hat und einem Jungen, dessen Vater der Oberstaatsanwalt ist, und die Beziehung zwischen den beiden „nur“ dessen Karriere schadet, hätte mich die Liebesgeschichte zwischen einem „Verbrecher“, der mit illegaler Ware handelt und einer gewissenhaften Tatortermittlerin, die Verbrecher überführen möchte, interessiert. Positiv ist mir aufgefallen, dass Anyas Vater ein Charakter ist, der in dem Buch „eigentlich“ nicht vorkommt, aber durch die Zitate immer wieder in der Geschichte präsent ist. Dadurch konnte der Leser sich in etwa vorstellen, wie der Vater der drei Geschwister früher gewesen sein mag und man hat die Liebe Anyas zu ihm deutlich gespürt. Manche Details hat Gabrielle Zevin außer Acht gelassen bzw. nicht in überzeugender Weise eingebaut, doch andere Details werden in diesem Buch benutzt wie noch nicht zuvor in anderen.

 
Das Buch ist so geschrieben als erzähle Anya dem Leser was bisher passiert ist. An einigen Stellen spricht sie den Leser direkt an und vermittelt diesem somit Nähe. An einer ganz bestimmten Stelle musste ich schmunzeln, weil Anya den Leser fragte, ob er denn etwas Bestimmtes vermutet hat und sie es ihm doch erzählt hätte– und das hatte ich wirklich. Manchmal wurde ich durch diese Erzählweise jedoch vom Geschehen fortgezogen, da das Vergehen der Zeit nur kurz in einem Nebensatz eingebaut wurde, indem kurz erwähnt wurde, dass ein Geschehen schon soundso viel Monate zurückliegt.
 
Die (dystopische) Idee ist eine Welt, in der Schokolade und Kaffee verboten ist. Gut daran finde ich, dass die Idee etwas leicht Verrücktes hat. Eine Dystopie mit einem unterdrückendem Regime und/oder Naturkatastrophen oder Kriege in der Vergangenheit ist „Bitterzart“ nicht. Doch wenn man eine derartige Geschichte nicht erwartet, kann „Bitterzart“ den Leser von sich überzeugen.
 
Anyas verstorbener Vater hat das Familiengeschäft des illegalen Handels mit Schokolade geführt, bis er gestorben ist. Dass manche Leser mehr Mafia-Feeling erwartet hatten, kann ich verstehen. Ich finde jedoch, dass Anya durch den eigenen Verzehr von Schokolade und durch ihren Cousin genug darin verwickelt ist, obwohl sie sich bemüht mit dem Familiengeschäft nichts zu tun zu haben. Außerdem steigt auch mit zunehmender Seitenzahl die Priorität des Familiengeschäftes.  So wie Gabrielle Zevin die Geschichte geschrieben hat, ist es einfach nicht vorgesehen, dass das Familiengeschäft mehr in Anyas Leben involviert ist (dafür hätte beispielsweise ihr Vater noch leben müssen). Aber wer weiß? Vielleicht steckt Anya in den Folgebänden viel tiefer im Familiengeschäft drinnen?
Dass Mafia-Familien sich gegenseitig um andere Familienmitglieder kümmern und sich immer aufeinander verlassen können, ist hier sehr gut dargestellt. Nicht nur Anya oder ihr Bruder Leo versuchen, ihre Geschwister vor allem zu schützen, sondern auch deren Onkel hat Interesse an deren Lebenssituation.
 
Auch wenn ich vieles an „Bitterzart“ bemängelt habe, konnte mich das Buch insgesamt überzeugen. Meine negativen Aspekte sind meist nur kleine Teile, die zwar zum Gesamtbild des Buches beitragen, aber nicht übermäßig viel.
 
 
                                                        Fazit                                                       

„Bitterzart“ ist keine Dystopie sondern eher eine Geschichte über Anyas Lebensumstände und ihrer ersten großen Liebe. Vor allem die nacherzählten Passagen stören im Lesefluss, sodass der Leser zeitweise von der Geschichte distanziert wird. Die Verwandten der Mafiafamilie der drei Geschwister sind genügend präsent; wobei ich mir vorstellen kann, dass diese Präsenz in den Folgebänden zunehmen wird. Die Geschichte hat noch sehr viel Potenzial, das in den Folgebänden hoffentlich ausgeschöpft wird.


3 von 5 Buchstabenhaufen, 


                                                     Die Reihe                                                    





Edelherb, der zweite Teil der Trilogie, erscheint am 23. Oktober diesen Jahres.




 
 

1 Kommentar:

  1. Du wurdest von mir getaggt! ^-^
    http://herzensgeschichten.blogspot.de/2013/05/6-fragen-6-antworten.html
    Ich hoffe, dass du mitmachst, viel Spaß! (:

    Liebe Grüße ♥

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